Freitag, 7. Juni 2013

Der gelassene Mohn

Mein kleiner Kobold hat  mich früh geweckt und lautstark nach seiner Guten-Morgen-Milch verlangt. Also hab ich ihn schnell ins Bett geholt und gestillt, wir haben gekuschelt und er ist wieder eingeschlafen. So süß, aber jetzt bin ich wach... also habe ich den Kleinen näher in die Mitte des Bettes zu meinem Mann geschoben und eine kleine Deckenburg um ihn gebaut. Und dann bin ich aus dem Bett geschlüpft um raus zu gehen.

Ich liebe es morgens durch die Natur zu gehen. Alles ist noch noch unschuldig und zart. Auch wenn an diesem Morgen die Sonne schon richtig Kraft hat und ihr Bestes gibt... Heute knistert die Luft schon nicht mehr, die magische Halbstunde ist schon vorbei. Ich wärme mir das Gesicht an ihren warmen Strahlen, während ich Tautropfengrashalme durch meine Finger gleiten lasse. Kleine, pelzige Mohnknospen beäugen mich neugierig und ich bewundere ihre blühenden Schwestern. Wunderschöne, zarte Feldblumen.

Innerlich fühle ich an diesem Morgen aber die erhoffte Ruhe nicht. Ich bin irgendwie rastlos und getrieben, denn heute wird ein anstrengender Tag. Heute müssen Illustrationen coloriert werden, abends kommen Gäste, Wäscheberge müssen erklommen werden, ... und noch viele weitere Aufgaben warten, aber ich sträube mich grade mich daran jetzt schon zu erinnern.

Und so bin ich dankbar, dass ich mir die Zeit genommen habe morgens raus zu gehen und eine leise Zwiesprache mit dem Mohn gehalten zu haben. Und wenn ich jetzt in mich hineinhöre, bin ich doch ein Stück gelassener und entspannter. 

Kommentare:

  1. <3 So schöne Bilder und schön, dass du doch ein Stückchen Gelassenheit für dich entdecken konntest!

    Liebste Grüße,
    Frau Momo

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  2. Ich liebe Mohnblumen... als Kinder haben wir ein (etwas makaberes) Spiel gespielt: Mohnblumenbluetenknopsen aufknibbeln und vorher sagen, welche Farbe die Bluetenblaetter haben: Weiss ist der Engel, Rosa die Prinzessin, Rot der Teufel. Natuerlich waren die Blueten kaputt, nachdem wir "nachgesehen" hatten.... als Kind ist einem gar nicht bewusst, wie brutal das eigentlich ist. Heutzutage wuerde ich sowas niemals machen! Und zu dieser Erkenntnis bin ich ganz von alleine gekommen. Manchmal frage ich mich, ob wir unseren Kindern diese kleinen Brutalitaeten wirklich verbieten sollten, oder ob es nicht normal ist und zu einer gesunden Entwicklung dazu gehoert. Ich hatte ein sehr liberales Elternhaus (wofuer ich dankbar bin) und wuerde mich ohne Umschweife als Pazifisten bezeichnen. Offenbar hat mir ein bisschen naive Zerstoerungswut in meiner Kindheit nicht geschadet.

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